Prof. Dr. Dieter Reinhardt

Reinhardt-webProfessor Reinhardt stammt ursprünglich aus Mussbach in der Pfalz. In den 1980er Jahren hat er mit einem Biologiestudium an der Universität Kaiserslautern eine naturwissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen.

Nach der Promotion am Max-Planck-Institut für Biochemie und der Ludwig-Maximilians-Universität in München, absolvierte Dr. Reinhardt von 1993-1998 ein Postdoktoranden-Projekt in Portland, Oregon (USA) im Labor von Dr. Lynn Sakai, der Entdeckerin des Fibrillins. In diesem Projekt bearbeitete er zum ersten mal grundlagenwissenschaftlich orientierte Projekte zum Fibrillin und zum Marfan-Syndrom. Beispielsweise hat er ein System zur rekombinanten Produktion von Fibrillin entwickelt, welches in den letzten 15 Jahren weltweit von vielen Forschergruppen intensiv zum Studium des Fibrillins eingesetzt wurde.

1998 wurde er von der Universität zu Lübeck zur Etablierung einer eigenen Arbeitsgruppe rekrutiert. In Lübeck vertiefte Dr. Reinhardt seine Studien an der Struktur und Funktion von Fibrillin und Mikrofibrillen und habilitierte 2001 in diesem Forschungsgebiet.

Obwohl Dr. Reinhardt gerne in Deutschland oder Europa geblieben wäre, folgte er 2004 wegen der schlechten Arbeitsmarktlage für Professoren in Deutschland einem attraktiven Ruf an die renommierte McGill University in Montréal, Kanada. Dort leitet er seither als „Associate Professor" und „Canada Research Chair in Extracellular Matrix Biology" eine Arbeitsgruppe mit dem Schwerpunkt „Microfibrillar Systems in Health and Disease". Dr. Reinhardt ist nicht nur im medizinischen Beirat der Marfan-Hilfe (Deutschland) e.V. tätig, sondern auch im „Medical Advisory Board" der „Canadian Marfan Association".

Neben Grundlagenforschung arbeitet Dr. Reinhardt intensiv an der Aufklärung der molekularen Konsequenzen von Marfan-Mutationen im Fibrillin-1, also wie Struktur und Funktion des Fibrillin-1 durch verschiedene Mutationen beeinträchtigt werden. Er ist überzeugt, dass in den nächsten 5-10 Jahren neben Losartan noch weitere Medikamente zur Behandlung des Marfan-Syndroms gefunden und zum Einsatz kommen werden. Dabei wird der Einsatz der personalisierten Medizin, also das Zuschneiden von Behandlungsstrategien auf individuelle Personen immer wichtiger werden. Zur Entwicklung solcher personalisierten Therapieformen wird die Identifizierung so genannter „Modifier" bei der Entwicklung des Marfan-Syndroms zunehmend an Bedeutung gewinnen, meint Dr. Reinhardt. Diese Modifier sind im Prinzip körpereigene Proteine und Enzyme, die die Entwicklung des Marfan-Syndroms positiv sowie negativ beeinflussen können. Dies ist ein völlig neues und fast unbearbeitetes Forschungsfeld.

Die letzten 10 Jahre haben erstaunliche Ergebnisse in Bezug auf Behandlungsmöglichkeiten des Marfan-Syndroms hervorgebracht. Dr. Reinhardt ist fest davon überzeugt, dass wir auch in den nächsten 10 Jahren aus der Kombination von klinischer Forschung und Grundlagenforschung umwälzende Entwicklungen erleben werden.